Dreifachtherapie wirkt bis in die Zellen der Atemwege
Was verändert sich in den Atemwegen von Kindern mit Cystischer Fibrose, wenn sie eine Dreifachtherapie mit Trikafta beginnen? Eine Studie aus Berlin zeigt: Die Behandlung wirkt nicht nur auf die CFTR-Funktion, sondern beeinflusst auch Prozesse der Immunabwehr und Entzündung direkt auf Zellebene.
Veröffentlicht am 26. August 2026
Dass die Dreifachtherapie mit Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor (ETI/Trikafta) bei vielen Menschen mit CF deutliche klinische Verbesserungen bewirken kann, ist gut belegt. Weniger bekannt ist bislang, was dabei auf zellulärer Ebene in den Atemwegen geschieht – und warum Menschen trotz gleicher oder ähnlicher CFTR-Mutationen unterschiedlich stark auf die Behandlung ansprechen.
Forschende um Dr. Simon Gräber von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Dr. Saskia Trump vom Berlin Institute of Health at Charité haben diese Veränderungen bei Kindern mit CF genauer untersucht.
Veränderungen nach drei Monaten sichtbar
Für die Studie wurden Nasenabstriche von 13 Kindern mit CF im Alter von sechs bis elf Jahren vor Beginn der Trikafta-Therapie und erneut drei Monate später untersucht. Alle Kinder hatten mindestens eine F508del-Mutation. Als Vergleich dienten Proben von zwölf gesunden Kindern gleichen Alters.
Mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung analysierten die Forschenden, welche Gene in den verschiedenen Epithel- und Immunzellen der Atemwegsschleimhaut aktiv sind. So lässt sich erkennen, wie einzelne Zelltypen auf die Therapie reagieren.
Schleimhaut, Immunabwehr und Entzündung verändern sich
Vor Therapiebeginn war der Anteil CFTR-positiver Zellen bei den Kindern mit CF in mehreren Zelltypen der Atemwegsschleimhaut vermindert. Nach drei Monaten Trikafta näherte sich dieser Anteil in bestimmten Zelltypen wieder den Werten gesunder Kinder an. Gleichzeitig fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass zuvor gestörte Signalwege der angeborenen Immunabwehr teilweise reaktiviert wurden. Dazu gehören unter anderem Prozesse, die bei der Abwehr von Virusinfektionen eine Rolle spielen.
Auch in den Immunzellen waren Veränderungen sichtbar: Entzündliche Aktivitätsmuster nahmen unter der Therapie ab – insbesondere in Makrophagen und neutrophilen Granulozyten. Die Ergebnisse deuten damit darauf hin, dass Trikafta über die Verbesserung der CFTR-Funktion hinaus auch mit Veränderungen verschiedener zellulärer Prozesse in der Atemwegsschleimhaut verbunden ist.
Trotz Trikafta bleiben Veränderungen bestehen
Die Studie zeigt allerdings auch: Nicht alle krankheitsbedingten Veränderungen normalisierten sich vollständig. Einige molekulare Auffälligkeiten blieben auch nach Beginn der hochwirksamen Therapie bestehen. Ein noch früherer Therapiebeginn könnte möglicherweise dazu beitragen, dass bestimmte krankheitsbedingte Veränderungen in der Atemwegsschleimhaut weniger stark entstehen oder sich verfestigen. Ob dies tatsächlich der Fall ist, müssen weitere Studien untersuchen. Auch Einzelzellanalysen könnten künftig eine wichtige Rolle spielen. Sie könnten helfen, besser zu verstehen, warum Menschen unterschiedlich auf eine Therapie ansprechen, mögliche Biomarker zu identifizieren und langfristig stärker individualisierte Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Die Studie liefert damit einen detaillierten Einblick darin, was die Dreifachtherapie bis auf die Ebene einzelner Zellen bewirken kann – und welche Fragen trotz der grossen therapeutischen Fortschritte bei CF noch offenbleiben.
Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf einer Pressemitteilung des Mukoviszidose e.V. zum Forschungsprojekt von Dr. Simon Gräber und Dr. Saskia Trump. Das Projekt wurde vom Mukoviszidose e.V. gefördert. Die Ergebnisse wurden im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlicht.