«Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist»
Als Ueli Karlen mit Cystischer Fibrose (CF) geboren wurde, war die Prognose düster. Viele Kinder mit CF erreichten damals das Erwachsenenalter nicht. Heute ist Ueli 61 Jahre alt – und blickt auf ein aktives Leben zurück.
Veröffentlicht am 1. Juli 2026
Aufgewachsen mit einer schweren Krankheit
Die Kindheit von Ueli war von aufwendigen Therapien geprägt. Im Vergleich zu heute waren die Medikamente viel weniger wirksam. Um den zähen Schleim aus der Lunge zu lösen, schlief er in einem Zelt mit feuchter Luft und wurde jeden Morgen von seinen Eltern abgeklopft. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, gehörte aber für viele Menschen mit CF zum Alltag. Trotz aller Herausforderungen liess sich Ueli nie von seiner Krankheit definieren. Er lernte, mit CF zu leben und seinen eigenen Weg zu finden.
Bewegung als wichtiger Faktor für das Wohlbefinden
Lange Zeit ging man davon aus, dass sich Kinder mit Cystischer Fibrose körperlich schonen sollten. Rückblickend bedauert Ueli diese Haltung. Erst mit 16 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für den Sport. Heute ist Bewegung für ihn ein wichtiger Bestandteil seines Lebens und Wohlbefindens. Besonders am Herzen liegt ihm der Austausch mit anderen Betroffenen. Im Auftrag von Cystische Fibrose Schweiz organisiert er regelmässig Tennisweekends für Erwachsene mit CF. Damit schafft er Begegnungen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und zeigt, dass ein aktives Leben mit CF möglich ist.
Ein Leben im Zeichen des medizinischen Fortschritts
Ueli hat die Entwicklung der CF-Behandlung über Jahrzehnte hinweg miterlebt. Von Inhalationsapparaten und zeitintensiven Therapien bis hin zu Medikamenten, die direkt an der Ursache der Krankheit ansetzen: Die Fortschritte der Medizin haben seine Gesundheit deutlich verbessert. Sie haben ihm Lebensjahre und Lebensqualität geschenkt, die früher kaum vorstellbar gewesen wären.
Leider können nicht alle Menschen mit CF von den neuesten Therapien profitieren. Manche leben mit seltenen Mutationen, andere mit bleibenden gesundheitlichen Folgen der Erkrankung. Deshalb bleibt die Forschung auch heute von zentraler Bedeutung.
Gemeinschaft macht den Unterschied
Neben allen medizinischen Fortschritten ist für Ueli etwas über die Jahre gleichgeblieben: Die Bedeutung von Begegnungen und Austausch. Der Kontakt mit anderen Menschen, die ebenfalls mit CF leben, gibt ihm Kraft, Verständnis und das Gefühl, nicht allein zu sein. Dieses Gefühl möchte er auch weitergeben. Mit den von ihm organisierten Tennisweekends schafft er Räume für Bewegung, Gemeinschaft und neue Freundschaften. Für viele Teilnehmende sind diese Begegnungen weit mehr als ein Freizeitangebot – sie zeigen, dass man mit den Herausforderungen der Krankheit nicht alleine unterwegs ist.
Wenn Ueli auf sein Leben mit CF zurückblickt, denkt er deshalb nicht nur an Therapien, Medikamente oder medizinische Meilensteine. Er denkt auch an Menschen, die ihn begleitet haben, an gemeinsame Erlebnisse und an den Rückhalt innerhalb der CF-Community. Wie wichtig das ist, bringt er mit einem einfachen Satz auf den Punkt: «Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist.»