Porträts

«Meine Therapien sind ein Ganztagesjob»

Charlène Krattiger ist 32 Jahre alt. Sie lebt mit Cystischer Fibrose – und mit einem Alltag, der von Therapien und Spitalterminen geprägt ist.

Veröffentlicht am 29. April 2026

«Ich lebe mit der Cystischen Fibrose in einer Wohngemeinschaft», sagt sie. «Sie ist immer da.» Ihr Leben sei durchgetaktet – von Inhalationen, Medikamenten und Behandlungen. Charlène Krattiger wirkt dabei ruhig und gefasst. Was ihr abverlangt wird, ist nicht immer sichtbar.

Schon als Kind litt sie an starken Bauchschmerzen. Lange wurde sie nicht ernst genommen. Heute weiss sie: Zwei seltene Genmutationen lösen bei ihr eine Form der CF aus, für die es bis heute keine wirksame Therapie gibt. Seit ihrem elften Lebensjahr werden ihre Lungen zunehmend geschädigt.

Derzeit durchläuft sie eine intensive Antibiotikatherapie, die sich über 18 Monate erstreckt. Täglich erhält sie mehrere Wirkstoffe intravenös über einen Portkatheter – oft über viele Stunden hinweg. Dazu kommen Inhalationen, Darmbehandlungen und regelmässige nächtliche Unterbrüche, um Medikamente zu wechseln. «Meine Therapien sind ein Ganztagesjob», sagt sie.

Auch die Nebenwirkungen sind spürbar. Immer wieder leidet sie unter Schmerzen und Erschöpfung. Es gibt Tage, an denen sie kaum aufstehen kann. In solchen Momenten ist ihr Partner eine wichtige Stütze: Er übernimmt den Alltag, organisiert, kocht, erledigt Einkäufe. «Ich habe grosses Glück mit ihm», sagt sie.

Ein grosser Teil ihres Lebens spielt sich im medizinischen Umfeld ab. Mehrmals pro Woche ist sie im Spital, hinzu kommen Physiotherapie und weitere Behandlungen. Das Team im Spital Pourtalès ist für sie vertraut geworden. «Sie sind wie eine zweite Familie», sagt sie.

Neben den körperlichen Herausforderungen ist auch die Einsamkeit ein Thema. Während andere arbeiten oder unterwegs sind, verbringt sie viel Zeit zu Hause – mit Therapien, die notwendig sind, um ihre Gesundheit zu stabilisieren. «Ich führe manchmal ein Leben wie ältere Menschen», sagt sie.

Charlène Krattiger draussen in der Natur.
Inhalationen gehören für Charlène mehrmals täglich zum festen Bestandteil ihres Alltags.
Auch die Vorbereitung der täglichen Antibiotikatherapie ist Teil ihres Alltags.
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Gleichzeitig engagiert sich Charlène für andere Menschen mit CF. Seit 2025 leitet sie das Organisationskomitee des Marchethon Lausanne. Sie setzt sich dafür ein, dass die Krankheit sichtbarer wird – und dass die Forschung weiter voranschreitet. Gerade für Menschen mit seltenen Genmutationen wie sie selbst ist dieser Fortschritt entscheidend.

«Natürlich wünsche ich mir eine Therapie», sagt sie. «Aber ich freue mich auch für alle, die bereits von den neuen Medikamenten profitieren können.» Diese Haltung prägt ihren Blick: Realistisch und dennoch offen für das, was möglich ist.

Charlène geht ihren Weg Schritt für Schritt – mit Ausdauer, mit Unterstützung aus ihrem Umfeld und mit dem Wunsch, dass sich die Perspektiven für Menschen mit CF weiter verbessern.